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Geschichte  von Wildpark-West (Gallin)

Wildpark-West trug bis zum Jahr 1928 die Bezeichnung Gallin. Vor nicht ganz 680 Jahren, im Jahr  1339,  wurde die ´Wiese Golyn´ in einem Gerichtsdokument das erste Mal namentlich erwähnt (1).

 

Mit der Geschichte der Wiese Gallin können auch etwa 700 Jahre Geschichte des Havellandes betrachtet werden. Der Gallin war Teil des Lehens der Grundherren von Gelt (Geltt, Geltow). Er wurde bereits im Jahr 1242 als Rastplatz dem Kloster Lehnin ausgeliehen. In diesem ältesten Dokument von 1242 wird die Wiese zwar nicht mit Namen genannt, aber der Grundherr von Gelt durfte mit Bestätigung der Markgrafen Johann und Otto 4 Hufen (30 ha) seines Lehens zum Seelenheil seiner Gattin an das Kloster Lehnin ausleihen. Die im 14. und 15. Jahrhundert  dokumentierten Gerichts- und Schlichtungsverfahren zeigen, daß es sich bereits im Jahr 1242 um die ´Wiese Golyn´ handelte.

Ab dem Jahr 1317, nachdem Markgraf Waldemar dem Kloster Lehnin die Insel Werder geschenkt hatte, ließ das Kloster auch die der Insel gegenüberliegende Wiese von ihren Untertanen in Werder landwirtschaftlich nutzen. Das erste Gerichtsdokument wurde am 8. November 1339 in der Landstadt Nauen verfaßt. Die Grundherren von Gelt, Henning von Gelt, Koppekinus und Kilian von der Gröben und ihre Verwandten aus Spandau mußten dem Kloster Lehnin die Wiese Gallin überlassen.

Während der nächsten 225 Jahre beanspruchte dasKloster Lehnin den Gallin für sich als Eigentum. Aber die Grundherren von Gelt kämpften noch bis zum Jahr 1474  erbittert um diesen Flecken Erde.

Die Bewohner von Werder haben mehr als 360 Jahre den Gallin bewirtschaftet, zuerst für das Kloster Lehnin, ab 1542 bis zum Jahr 1685 als Pächter auf dem Domänenland des Amtes Lehnin.

Kurfürst Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, siedelte ab dem Jahr 1685 im Golmer Bruch und auf dem Gallin Schweizer Kolonisten an, um die Vieh- und Milchwirtschaft in der Mark zu fördern.

Im Herbst 1685 wurden drei große Bauernhäuser für Schweizer Kolonisten auf dem Gallin erbaut. Aus der ehemaligen Domäne, verwaltet vom Amt Lehnin, wurde das Domänen-Vorwerk Gallin.

Die Schweizer kamen aus dem Raum Bern und aus dem Aargau, sie haben Acker- und Viehwirtschaft auf dem Gallin betrieben. Nachdem die Erbpachtverträge im Jahr 1722 endgültig abgelaufen waren, lebten die Schweizer Kolonisten nur noch im benachbarten Golm und in Töplitz.

Während etwa 140 Jahren waren weitere Pächter auf dem Gallin: Georg Graf von Schlieben mit der Königlichen Parforcejagd, das Potsdamer Militärwaisenhaus, Bornstedter Bauern und die Innung der Potsdamer Fleischer. Die Innung der Fleischer konnte 1851 den Gallin als ihr Eigentum erwerben, die Bezeichnung war nun nicht mehr ´Domänen-Vorwerk Gallin´ , sondern ´Gut Gallin´.

Im Jahr 1864 verkaufte die Innung der Fleischer den Gallin an das Haus  Hohenzollern,  er wurde nun deren Privateigentum. Die Bezeichnung des Gallin war jetzt ´Königlicher Gutsbezirk Gallin´.

Der Gallin wurde aufgeforstet und mit dem Königlichen Wildpark als Jagdgebiet verbunden. Nach dem Zusammenschluß mit Bornstedt im Jahr 1878 bekam das neue Krongut die Bezeichnung: Krongut Bornstedt-Gallin. Einige Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1928, wurden die Teile von Bornstedt-Gallin wieder getrennt; auf dem Gallin begann eine neue Besiedlungsgeschichte. Das Haus Hohenzollern ließ durch eine Gesellschaft den Gallin parzellieren und Grundstück für Grundstück verkaufen bzw. verkaufen und bebauen.

Ab dem Jahr 1928 wurde die ´Otto v. Estorff & Gerhard Winkler Villensiedlung´ mit dem Namen Wildpark-West geplant. Die beiden Potsdamer Architekten haben zwischen 1933 und 1944 mit ihren Entwürfen das gesamte Baugeschehen in der Siedlung bestimmt. Fast alle Landhäuser, Wohnhäuser, kleine gemauerte Wochenendhäuser, sämtliche Holzhäuser und sogar die standardisierten Geräte-Schuppen sind nach ihren Entwürfen errichtet worden. Nur ganz wenige Bauherren haben von anderen Unternehmen, jedoch nach den Vorgaben des Architektenbüros, Häuser in Wildpark-West bauen lassen.

Die ersten beiden Wohnhäuser waren Doppelhäuser und wurden im Herbst 1933 in der Eichenallee (heute Fuchsweg) und Am Wasserwerk fertiggestellt. Bis zum Jahr 1938 waren erst 45 Wohnhäuser und etwa 12 bis 15 kleine Wochenendhäuser (aus Holz und auch ziegelgemauert) errichtet worden.

Im Jahr 2009 wurden in der Siedlung neun Wohnhäuser unter Denkmalschutz gestellt, um den ursprünglichen Stil des Potsdamer Architektenbüros ´v. Estorff & Winkler´ aus den zwanziger und dreißiger Jahren in Wildpark-West für die Nachwelt zu erhalten. Im Band 14.1 der Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland mit dem Titel ´Denkmale in Brandenburg, Landkreis Potsdam-Mittelmark, Nördliche Zauche´, Worms am Rhein, 2009 (736 Seiten, Wildpark-West auf S. 633 bis 639) wird die Siedlung mit seinen denkmalgeschützten Häusern ausführlich beschrieben. Es handelt sich um folgende Anwesen: In der Straße Am Ufer sind es die Nr. 4, 6, 11, 11a und 22. In der Straße Am Wasserwerk ist es die Nr. 9, im Amselweg (Kastanienallee) die Nr. 11 und im Fuchsweg (Eichenallee) die Nr. 37. Alle neun erwähnten Wohnhäuser werden in dem Denkmalbuch beschrieben, acht von Ihnen auch mit Fotos dokumentiert.

 

In den Jahren von 1942 bis 1945 gab es in Wildpark-West eine Zwergschule, die in einem Wohnhaus in der Eichenallee (Fuchsweg) eingerichtet worden war. Eine Lehrerin für die ersten acht kleinen Schüler, sieben Mädchen und ein Knabe, wurde eingestellt, und so begann für die ersten Schüler in der kleinen Siedlung der Ernst des Lebens.

Zum Beginn des Jahres 1945 sollen in der Siedlung 230 Einwohner angemeldet gewesen sein.. Sie wohnten in etwa 65  ´massiven Eigenheimen´ . Es könnte mehr als 70 Wochenendlauben (Behelfsheime) aus Holz gegeben haben. Zum Zeitpunkt April 1945 haben vermutlich 450 Personen in der Siedlung gelebt. Es waren viele Vertriebene aus dem deutschen Osten und Bombenflüchtlinge, Berliner und Potsdamer in der Siedlung untergekommen.

Zur Mitte des Jahres 2007 waren 771 Personen in Wildpark-West gemeldet, davon hatten 101 Personen ihren zweiten Wohnsitz in der Siedlung. Im Jahr 2008  hatten 527 Bürger in Wildpark-West das Wahlrecht. 

 

Im Jahr 2019 wird es 680 Jahre her sein, daß der Gallin erstmalig namentlich erwähnt wurde.

 

In 15 Jahren, im Jahr 2033, wird Wildpark-West auf 100 Jahre ihres Bestehens als Siedlung zurückblicken können.

 

 

Die Zwergschule in Wildpark-West 1942 bis 1945

Im Wohnhaus Eichenallee (Fuchsweg) Nr. 37 lebte eineFräulein Lachenwitz, 1942, Lehrerin der privaten Zwergschule in Wildpark-WestFräulein Lachenwitz, 1942, Lehrerin der privaten Zwergschule in Wildpark-West junge Familie, deren Zwillinge Maria und Elisabeth im Jahr 1942 schulpflichtig wurden. Die Familie hatte ein kleines Pflegekind im Haus, das jüdischen Glaubens war. Auch dieses kleine Mädchen wurde schulpflichtig. Aber es gab das Problem, daß man das Kind in Potsdam in der Schule nicht anmelden konnte. So haben mehrere Eltern in Wildpark-West sich zusammengetan, für ihre einzuschulenden Kinder eine Zwergschule zu gründen. Das waren die Eltern eines kleinen  Mädchens aus dem Haus Gallin, zwei kleine Mädchen aus einem Haus Am Markt, zwei kleine Mädchen aus der Kastanienallee (Amselweg) und ein kleiner Junge aus dem Weg Am Teich. Die junge Lehrerin, Frl. Lachenwitz (geb. 1921 in Thüringen), hinterließ aus ihrer Zeit in Wildpark-West einige Fotos, die sie der Autorin des Buches über Wildpark-West, zusammen mit der Erzählung über die damalige Zeit übergeben hat. Die Fotos, die Frl. Lachenwitz im Garten Kastanienallee Nr. 11 und 13 zeigen, stammen aus dem Jahr 1942.                             

(Wildpark.-West a. d. Havel, Erwähnung der Schule, 1. Auflg. S. 345; 2. Auflg. S. 353)

 

 

 

 

 

 

 

Blick auf die Geschichte der Waldsiedlung Wildpark-West aus "Wildpark-West a.d. Havel Die Geschichte der Wiese Gallin"

von Marianna v. Klinski-Wetzel/ Gerhard Mieth, 1. Auflage 2007, 2. Auflage 2008 (beide vergriffen)

 

 

(1)

Das lateinische Wort ´galla´ heißt übersetzt „kugeliger Auswuchs“ , z. B. für den Gallapfel. Das ist ein kugeliger Anhang im Herbst unter den Eichenblättern. Das germanische Wort ´Galle´ steht für die von Nässe umgebene Sandscholle, auf der sich eine Wiese befindet, die den Namen Gallin trägt. Im Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm finden wir den mittelhochdeutschen Begriff ´Galle´: „galle, ein unfruchtbarer schlechter Fleck im Ackergrund, […] erdgalle, ackergalle - sandgalle, wo viel Sand ist.“

Diese landschaftliche Definition des Wortes Galle paßt auf unseren scheinbar so unbrauchbaren, unfruchtbaren, vom Wasser umgebenen kleinen Sandfleck. Das Wort Gallin ist demnach von ´Galle´  abgeleitet und bedeutet ganz einfach ausgedrückt: Kleine kahle Anhöhe am Wasser. Diese Bezeichnung könnte während der frühdeutschen Besiedelung aus Franken, aus Sachsen, Friesland oder den Niederlanden und Flamen ins Havelland gebracht worden sein. Den Weg über den Gallin nach Spandau nahmen spätestens ab dem Jahr 1242 die Mönche des Klosters Lehnin, deren Schriften ausschließlich in lateinischer Sprache verfaßt waren. Sie könnten Namensgeber der kleinen Sandscholle gewesen sein.

Ob die kleine Wiese vor dieser Zeit einen Namen trug, ist nicht sicher. Es ist denkbar, daß die kleine kahle Anhöhe am Wasser, von Sümpfen umgeben, dennoch von Bedeutung war, weil man sich hier vor heranrückenden Feinden jeder Art recht gut schützen konnte.

Nun findet sich in den Urkunden von 1339, 1352, 1355 und 1474 aber der Name ´Golyn´, das Wort ist also in diesen 135 Jahren mit einem ´o´ geschrieben worden. Zum einen schrieben die Mönche nach dem Gehör und durch die gesprochene Mundart könnte aus dem ´a´ ein ´o´ gemacht worden sein. Die Eigennamen Waldemar für den Markgrafen und Baldevinus für einige Ritter tauchen in vielen Urkunden  in der Schreibweise  Woldemar und Boldevinus auf. Auch wurden ja die Urkunden abgeschrieben und wenn einmal ein Abschreiber anstelle des ´a´ ein ´o´ einsetzte, wurde diese Schreibweise jedesmal wiederholt.

Im fränkischen und bayrischen Raum gibt es unzählige Orte mit den Namen  Galling, Gallnes, Gall, Galla, Gallau, Gallenweiler und Gallenwies; sie alle scheinen von derselben Landschaftsbeschreibung auszugehen. Dort blieben sie im Rahmen des Wortes Galle erhalten; zwischen Elbe und Oder wurde die Bezeichnung ´Gall´ für Gallwiese oder Sandgalle während der Zeit der slawischen Siedler möglicherweise zu dem inhaltlich verwandten  slawischen Wort ´gol´ für unbewachsener Berg oder Hügel in den Sprachgebrauch übernommen.

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